Deutscher Kinderschutzbund Bundesverband e.V.
Ergänzungsmaterialien
Wir haben den Anspruch, möglichst viele Eltern in ihrer aktuellen Lebenssituation zu unterstützen. Darum haben wir spezielle Elternkurse entwickelt, um auf Ihre individuellen Fragen zu den Entwicklungsphasen des Kindes, zu verschiedenen Familienformen und familiär-kulturellen Eigenheiten einzugehen.


1. Elternkurse für Familien mit Kindern im Alter von 0 – 3
Es ist immer ein freudiges Ereignis, wenn ein Kind auf die Welt kommt. Was dann oft in den Hintergrund tritt, sind die tiefgreifenden Veränderungen des Alltags – und auch die Probleme, die das mit sich bringt. Es zeigt sich, dass Eltern in dieser Lebenssituation besondere Anforderungen, ja sogar Stresssituationen bewältigen müssen. Unregelmäßiger, oft mangelnder Schlaf, viele neue Aufgaben im Haushalt, die neue Rolle als Eltern – dies alles sind große Herausforderungen. Freude und Belastung wechseln sich ab; die Ansprüche der Eltern an sich selbst erzeugen zusätzlichen Stress. Die Teilnahme an diesen speziellen Elternkursen bietet ihnen nicht nur Unterstützung und Entlastung: Die jungen Eltern lernen, frühzeitig eigene Erwartungen und tatsächliche Anforderungen zu prüfen und ihre Elternrolle positiv wahrzunehmen.
Die Bedürfnisse von Kindern kennen und die eigenen Bedürfnisse achten: Das ist wesentlich für eine gelingende Erziehung. Darum vermittelt Ihnen auch dieser Elternkurs, was ein Kind wirklich braucht, welche Werte und Erziehungsziele wichtig sind – und welche Belastungen auf Sie in dieser Zeit zukommen.

2. "Pubertät – Umbruch, Aufbruch, kein Zusammenbruch“
Wenn Kinder erwachsen werden, stehen die Erziehenden wiederum vor ganz neuen Herausforderungen. Ängste, Unverständnis und Streit prägen oft den Familienalltag der Eltern. Denn die Jugendlichen machen in dieser Phase tiefgreifende biologische und soziale Veränderungen durch, für die sie meist selbst keine Erklärung oder Lösung haben. Um diese Situation zu meistern, ist gegenseitiges Vertrauen wichtig – ebenso wie neue Verhaltens- und Erlebnismuster, die es zu entwickeln gilt. Daher bereitet dieser spezielle Kurs Informationen über entwicklungsbedingte Besonderheiten für Sie auf. Hier erfahren Sie die Erkenntnis, wie Sie Ihrem pubertierenden Kind Halt, Unterstützung, Stabilität und Orientierung geben können.

Diese Lebensphase mit Freude und Zuversicht wahrzunehmen, wird Ihnen sicher nicht immer gelingen. Aber dass es – zumindest ab und zu –- geht, zeigen die Elternkurse "Pubertät".



3. Elternkurse in türkischer Sprache
Jedes vierte Kind in Deutschland hat Eltern (oder einen Elternteil), die aus dem Ausland zugewandert sind oder von Zuwanderern abstammen. Eine der größten Nationalitäten-Gruppen bilden türkisch-stämmige Familien, weshalb es das Handbuch zum Elternkurs auch in einer türkischen Übersetzung gibt. Oft sind ihre Deutschkenntnisse lückenhaft – ein wichtiger Grund dafür, dass wir Starke Eltern – Starke Kinder® nun auch in verschiedenen Muttersprachen anbieten. Die Elternkursleitungen beherrschen verschiedene Sprachen, um den Austausch unter den Familien anzuregen und zu moderieren. Dabei können die Eltern Angstschwellen besonders gut abbauen, wenn die Kursleitung selbst einen Migrationshintergrund aufweist. Die Evaluation, also die Erfolgsauswertung der türkischsprachigen Elternkurse ergab, dass hier „… ein inhaltlich passgenaues und auch nachhaltig wirksames Konzept [vorliegt], das die staatlichen Integrationsbemühungen insgesamt gut und vor allem an einer strategisch entscheidenden Stelle – dort wo es um Erziehung und Bildung geht – ergänzt und unterstützt.“ (DKSB Landesverband Bayern, Evaluation der türkischsprachigen Elternkurse, München 2008).

4. Stärkung psychischer Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Viele Kinder und Jugendliche haben mit emotionalen und sozialen Problemen zu kämpfen. In unseren Kursen häufen sich die Nachfragen der Eltern, wie sie auffälliges Verhalten ihrer Kinder deuten sollen und psychischen Problemen vorbeugen können. Im Mittelpunkt des Projekts „Stärkung der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen“ standen, die für die psychische Gesundheit wichtigen Fähigkeiten und Eigenschaften der Kinder und Eltern.
Folgenden Fragen wurde nachgegangen:
- Was ist (psychische) Gesundheit und wie wird sie beeinflusst?
- Was bestärkt gesundes Aufwachsen?
 -Welche Anforderungen stellen die verschiedenen Entwicklungsphasen an das Kind und die Eltern?

Ziel des Projektes war es, den aktuellen wissenschaftlichen Diskurs im Bereich der psychischen Gesundheit abzubilden und diesen im Elternkurs stärker zu akzentuieren. Die erarbeiteten theoretischen Hintergrundinformationen werden in Form eines Begleitmaterials für Fachkräfte und Materialien für Eltern aufbereitet. Es soll ihnen dabei helfen, entwicklungspsychologische Fragestellungen unter dem Blickwinkel der anleitenden Erziehung zu verstehen. Das Begleitmaterial enthält theoretisch fundierte, praxisnahe Beispiele im Umgang mit den Eltern und jenen Erziehungsproblemen, die im Kurs häufig zur Sprache kommen. Kern des Begleitmaterials ist es aber nicht, ausgereifte Störungsbilder zu beschreiben oder zu diagnostizieren. Vielmehr will es die präventiven Wirkfaktoren vermitteln, wie Eltern Einfluss nehmen können, um Eskalationen zu verhindern, es setzt an den Symptomen und Hintergründen an, bevor Probleme manifest werden. Eine wesentliche Rolle spielten dabei neuere Erkenntnisse aus der neurobiologischen Forschung und dem ressourcenorientierten Erziehungsansatz.

Das Projekt startete Ende September 2009 und wurde vom Bundesministerium für Gesundheit für zwei Jahre gefördert. Ein interdisziplinärer Kreis aus Psychologen, (Sonder-) Pädagogen, Psychiatern und Neurobiologen begleitete das Projekt. Es stand im Zusammenhang mit der Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit sowie des 13. Kinder– und Jugendberichtes.
 
 
 


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